Mannheim: Ab dem zweiten Mal spricht man von einer Serie.

Von Community bis Hyper-Personalisierung: Die wichtigsten Insights des DIY Data Club Mannheim

Über 50 Teilnehmende, mehr als 20 Unternehmen und eine zentrale Frage: Wie gelingt der Sprung in den AI-Commerce?

Der DIY Data Club wurde ins Leben gerufen, um Hersteller, Händler und Lösungsanbieter in einer Phase tiefgreifender Veränderungen zusammenzubringen. Ziel ist es, einen Raum für offenen Austausch zu schaffen – über Daten, Künstliche Intelligenz, Customer Experience und die Zukunft des Commerce. Im Mittelpunkt stehen dabei praxisnahe Einblicke, konkrete Erfahrungen und das gemeinsame Lernen voneinander.

Nach dem erfolgreichen Auftakt in Köln machte der DIY Data Club Station in Mannheim. Mehr als 50 Teilnehmer:innen aus 24 Unternehmen der DIY- und Home-&-Garden-Branche kamen zusammen.

Erneut stand die Zukunft von Daten, Künstlicher Intelligenz und Kundenbeziehungen im Fokus. Die Bandbreite der Themen reichte von Community Building und Loyalty über Produktdaten und Digital Asset Management bis hin zu Hyper-Personalisierung und KI-gestützter Kundenberatung. Trotz der unterschiedlichen Perspektiven zog sich eine Erkenntnis durch nahezu alle Vorträge:

Die Branche hat Gesprächsbedarf. Und der DIY Data Club bietet den passenden Rahmen dafür.

Der Erfolg von KI entscheidet sich nicht primär an den Modellen, sondern an Daten, Prozessen und dem Verständnis der Kund:innen.

Niklas Schultes, forbeyond - Zeit für neues Wachstum.

Zum Auftakt des DIY Data Club Mannheim blickte Niklas Schultes von forbeyond noch einmal auf die Idee hinter dem Format zurück. Dass der Bedarf für ein solches Forum vorhanden ist, zeigte sich auch in Mannheim: Mehr als 50 Teilnehmer:innen aus über 20 Unternehmen nutzten die Gelegenheit zum Austausch, zur Diskussion und zum Networking.

Ein wesentliches Merkmal des Formats bleibt dabei die Vielfalt der Inhalte. Die Programme der einzelnen Roadshow-Stationen unterscheiden sich bewusst voneinander, um unterschiedliche Perspektiven und Fragestellungen aus dem DIY-Ökosystem abzubilden. So entsteht über die Veranstaltungen hinweg ein breiter Themenpool, der auch eine mehrfache Teilnahme attraktiv macht.

Gleichzeitig versteht sich der DIY Data Club als lernendes Format. Feedback der Teilnehmer:innen fließt kontinuierlich in die Weiterentwicklung von Agenda, Inhalten und Austauschformaten ein.

Ralf Deckers, IFH Köln - Der Handel erlebt turbulente Zeiten – was jetzt zu tun ist

Den inhaltlichen Auftakt des DIY Data Club Mannheim gestaltete Dr. Ralf Deckers vom IFH KÖLN mit einem Blick auf die aktuellen Entwicklungen im Handel.

Seine Analyse zeigte: Die Branche bewegt sich weiterhin in einem anspruchsvollen Marktumfeld. Konsumzurückhaltung, veränderte Kundenerwartungen und technologische Umbrüche sorgen gleichermaßen für Druck und Veränderung. Gleichzeitig entwickelt sich Künstliche Intelligenz zunehmend vom Zukunftsthema zum konkreten Handlungsfeld. Die Frage ist längst nicht mehr, ob KI den Handel verändern wird, sondern wie Unternehmen die Potenziale für ihre Geschäftsmodelle erschließen können.

Anhand aktueller Marktdaten und Studien ordnete Ralf Deckers diese Entwicklungen ein und zeigte auf, welche Herausforderungen und Chancen sich daraus für Hersteller und Händler ergeben. Sein Fazit: Wer erfolgreich bleiben möchte, braucht neben technologischer Kompetenz vor allem ein tiefes Verständnis für Märkte und Kund:innen.
Damit setzte er den Rahmen für die Diskussionen des Tages – und für die Frage, wie Daten, KI und Kundenorientierung gemeinsam die Zukunft des DIY-Handels gestalten können.

Marilyn Repp - Community und KI gehören zusammen.

Den Auftakt machte Retail-Expertin Marilyn Repp mit ihrer Keynote zur Rolle von Community und Künstlicher Intelligenz im Handel. Ihre zentrale These: Während KI neue Möglichkeiten für Automatisierung, Personalisierung und Skalierung schafft, entstehen Vertrauen, Loyalität und echte Kundenbindung weiterhin durch Beziehungen zwischen Menschen.
Dabei stellte sie die Frage, wie Händler und Hersteller in einer Welt relevant bleiben können, in der Produktsuche, Vergleich und Kaufentscheidungen zunehmend von intelligenten Systemen unterstützt werden. Ihre Antwort: Nicht Technologie oder Community sind der entscheidende Erfolgsfaktor – sondern deren Zusammenspiel.

Gerade in beratungsintensiven Branchen wie DIY gewinnen Communities an Bedeutung. Sie schaffen Orientierung bei komplexen Kaufentscheidungen, vermitteln Erfahrungswissen und bieten Inspiration für neue Projekte. Communities erzeugen damit etwas, das weder Produktdaten noch Algorithmen allein leisten können: Nähe, Identifikation und Vertrauen.

Die Herausforderung besteht dabei nicht darin, Mensch und Maschine gegeneinander auszuspielen, sondern beide Stärken intelligent miteinander zu verbinden. Denn während KI Prozesse effizienter macht, bleiben Communities ein zentraler Anker für Glaubwürdigkeit, Markenbindung und langfristige Kundenbeziehungen.

Dorit Posdorf & Marilyn Repp im Panel – Community, Brand, Loyalty in Zeiten von Agentic Commerce.

Im anschließenden Experience Panel vertieften Marilyn Repp und Dorit Posdorf diese Fragestellungen aus strategischer und operativer Perspektive.

Im Zentrum stand die Frage, wie sich die Rolle von Marken verändert, wenn KI-Agenten künftig einen immer größeren Teil der Produktsuche, des Vergleichs und sogar der Kaufentscheidung übernehmen.

Die Diskussion machte deutlich, dass Unternehmen ihre Kundenbeziehungen künftig noch bewusster gestalten müssen. Wenn Algorithmen Produkte auswählen und Empfehlungen aussprechen, gewinnen Faktoren wie Markenvertrauen, Community-Zugehörigkeit und emotionale Bindung weiter an Bedeutung. Denn auch im Agentic Commerce entscheidet letztlich nicht nur die technische Auffindbarkeit eines Produkts, sondern die Frage, welcher Marke Kund:innen und KI-Systeme gleichermaßen vertrauen.

Das Fazit des Panels: Die Zukunft gehört nicht KI allein und auch nicht klassischen Markenstrategien. Erfolgreiche Unternehmen werden diejenigen sein, die technologische Innovation mit echter Kundennähe verbinden.

Kai Warmus & Steffen Renfordt Fix your Data. Do it yourself. Wie ERFURT & SOHN mit smarten Daten Macher begeistert.

Dass Datenqualität weiterhin die wichtigste Voraussetzung für erfolgreiche Digitalisierung ist, zeigte die gemeinsame Session von ERFURT & SOHN und ATAMYA.

Steffen Renfordt verdeutlichte anhand konkreter Praxisbeispiele, wie hochwertige Produktdaten Kaufentscheidungen unterstützen, Retouren reduzieren und die Customer Experience verbessern können. Gerade im DIY-Umfeld sind präzise, verständliche und anwendungsbezogene Produktinformationen ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.

Kai Warmus zeigte ergänzend, wie moderne PIM-Systeme und KI-basierte Prozesse Unternehmen dabei unterstützen, Produktdaten effizienter anzureichern, Freigaben zu beschleunigen und Inhalte schneller in die relevanten Vertriebskanäle zu bringen.

Die Botschaft war klar: Ohne saubere Daten bleibt jede KI-Initiative Stückwerk.

Dr. Ralph Hünermann - Hyper-Personalisierung – Die Kunst der Kunden(rück)gewinnung in Zeiten von AI.

Wie sich die Customer Experience durch Künstliche Intelligenz verändert, zeigte Ralph Hünermann von ODOSCOPE in seinem Vortrag zur Hyper-Personalisierung.

Der promovierte Neuroinformatiker machte deutlich, dass klassische Zielgruppenansätze zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Kund:innen erwarten heute Angebote, Inhalte und Beratung, die ihre individuelle Situation und ihren konkreten Bedarf berücksichtigen.

Mit dem Aufkommen von AI-Commerce und intelligenten Shopping-Assistenten gewinnt diese Entwicklung zusätzlich an Dynamik. Unternehmen müssen künftig nicht nur Produkte auffindbar machen, sondern Kund:innen gezielt Orientierung bieten und relevante Empfehlungen liefern.

Die zentrale Botschaft des Vortrags: Hyper-Personalisierung entwickelt sich zunehmend zur Erwartungshaltung von Kund:innen – und damit zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für die nächste Generation digitaler Einkaufserlebnisse.

SAINT-GOBAIN & STARK im PANEL – Vom Datenchaos zur Nachhaltigkeit: Produktdaten als Schlüssel für EUDR, DPP & EPDs.

Im Data Panel diskutierten Ann-Kristin Kater und Benedikt Lösch von Saint-Gobain, Simon Heppt von STARK Deutschland sowie Claus Hänle von forbeyond über die Auswirkungen neuer regulatorischer Anforderungen wie EUDR, Digital Product Passport (DPP) und EPDs.

Dabei wurde schnell deutlich: Die größte Herausforderung liegt häufig nicht in den Vorgaben selbst, sondern in der Verfügbarkeit, Qualität und Konsistenz der zugrunde liegenden Produktdaten. Viele relevante Informationen existieren bereits heute, sind jedoch über verschiedene Systeme und Prozesse verteilt.

Die Diskussion zeigte, dass Nachhaltigkeitsdaten künftig stärker in bestehende Produktdatenstrukturen integriert werden müssen. Statt neuer Datensilos braucht es vernetzte Datenmodelle, die Informationen für Reporting, Lieferkette und Kundenkommunikation gleichermaßen nutzbar machen.

Das Fazit des Panels: Nachhaltigkeit entwickelt sich zunehmend zum Datenthema. Unternehmen, die ihre Datenstrukturen frühzeitig harmonisieren und skalierbar aufstellen, schaffen die Grundlage für regulatorische Sicherheit, mehr Transparenz und langfristige Wettbewerbsvorteile.

Andre Trimpop & Martin Farwick - Der Rasenmäher ist nicht das Problem. Warum der wahre Hebel im DIY-Handel nach dem Kauf beginnt.

Einen wichtigen Perspektivwechsel lieferten André Trimpop von KNISTR und Martin Farwick von INSIGHTS-OUT. Ihre Beobachtung: Viele Händler verlieren Kund:innen unmittelbar nach der Transaktion aus den Augen – und verschenken damit wertvolle Potenziale für Loyalität, Wiederkauf und langfristige Kundenbeziehungen.

Dabei beginnt gerade im DIY-Handel nach dem Kauf oft die entscheidende Phase. Produkte müssen aufgebaut, installiert oder verarbeitet werden. Es entstehen Fragen, Folgeprojekte und neue Bedarfe. Wer Kund:innen in diesen Momenten begleitet, schafft Mehrwert und stärkt die Bindung weit über den eigentlichen Kauf hinaus.
Anhand konkreter Beispiele zeigten die beiden Referenten, wie Daten dabei helfen können, Kundenbedürfnisse besser zu verstehen und relevante Kommunikation entlang der gesamten Customer Journey zu gestalten. Im Mittelpunkt stand dabei nicht die Technologie selbst, sondern die Frage, wie aus einzelnen Transaktionen langfristige Beziehungen entstehen.

Der Vortrag machte deutlich: Kundenzentrierung endet nicht mit dem Kaufabschluss – sie beginnt dort häufig erst.

Sebastian Kraus & Tobias Schürgers - Mehr Assets als Schrauben im Regal? Mit modernem DAM & KI die Contentflut im DIY-Commerce beherrschen.

Mit der zunehmenden Digitalisierung steigt auch die Anzahl der benötigten Inhalte. Was früher mit wenigen Produktbildern und einer Produktbeschreibung auskam, umfasst heute eine Vielzahl unterschiedlicher Assets – von Social-Media-Inhalten über Videos und Anwendungsbeispiele bis hin zu digitalen Prospekten, Marktplatzinhalten und KI-generierten Varianten.

Sebastian Kraus und Tobias Schürgers von pixx.io beleuchtete die Herausforderungen moderner Content-Prozesse im DIY-Handel. Während generative KI die Erstellung von Bildern, Videos und Marketing-Assets deutlich vereinfacht und beschleunigt, wächst gleichzeitig die Komplexität ihrer Verwaltung. Aus wenigen Dateien werden schnell Dutzende Versionen für unterschiedliche Zielgruppen, Kanäle und Anwendungsfälle.

Unternehmen stehen damit vor der Aufgabe, Inhalte effizient zu organisieren, konsistent auszuspielen und kanalübergreifend nutzbar zu machen. Neben der reinen Produktion rücken Fragen nach Governance, Qualitätssicherung und Wiederverwendbarkeit von Content zunehmend in den Vordergrund.
Digital Asset Management entwickelt sich damit zunehmend von einer operativen Lösung zu einer strategischen Voraussetzung für erfolgreichen Commerc

Elmar Sommer - AI-Commerce bohrt dicke Datenbretter.

Zum Abschluss des DIY Data Club Mannheim zeigte Elmar Sommer von HORNBACH, warum erfolgreiche KI-Anwendungen immer auf einer soliden Datenbasis aufbauen. Unter dem Titel „AI-Commerce bohrt dicke Datenbretter“ machte er deutlich, dass die Diskussion um Künstliche Intelligenz häufig zu stark auf Modelle und Technologien fokussiert wird. In der Praxis entscheidet jedoch oft die Qualität der zugrunde liegenden Daten darüber, ob eine KI-Lösung echten Mehrwert schafft oder hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Anhand konkreter Praxisbeispiele aus dem Handelsumfeld erläuterte Elmar Sommer, wie Datenqualität, Datenverfügbarkeit und Datenkonsistenz die Leistungsfähigkeit von KI-Systemen beeinflussen. Gerade bei komplexen Beratungs- und Kaufentscheidungen sind präzise Produktinformationen und verlässliche Datenstrukturen eine zentrale Voraussetzung für relevante Empfehlungen und überzeugende Kundenerlebnisse.

Seine Botschaft fasste den Grundgedanken des gesamten Veranstaltungstages treffend zusammen: Wer die Potenziale von AI-Commerce nutzen möchte, muss zunächst die Grundlagen schaffen. Datenqualität, Datenverfügbarkeit und klare Prozesse bleiben die entscheidenden Erfolgsfaktoren für den erfolgreichen Einsatz von KI im Handel.

Unser Fazit: KI braucht mehr als Technologie

Der DIY Data Club Mannheim hat gezeigt, dass die Branche die Chancen von Künstlicher Intelligenz längst erkannt hat. Die Diskussionen drehten sich nicht mehr um die Frage, ob KI eingesetzt werden sollte, sondern wie Unternehmen die notwendigen Voraussetzungen für ihren erfolgreichen Einsatz schaffen können.

Dabei wurde deutlich: Der Weg zu erfolgreichem AI-Commerce führt nicht allein über neue Technologien. Communitys, Kundenverständnis, hochwertige Produktdaten, Personalisierung und skalierbare Content-Prozesse bilden die Grundlage für die nächste Entwicklungsstufe des digitalen Handels.

Ob Produktdaten, Nachhaltigkeit, Hyper-Personalisierung oder KI-gestützte Kundenberatung – nahezu alle Vorträge und Diskussionen führten zu derselben Erkenntnis: Wer die Potenziale von KI nutzen möchte, muss zunächst seine Daten, Prozesse und Kundenbeziehungen in den Mittelpunkt stellen.

Wir bedanken uns bei allen Speaker:innen, Teilnehmer:innen und Partnern für den offenen Austausch und freuen uns auf die nächsten Ausgaben des DIY Data Club.

Der DIY Data Club Mannheim wurde durch führende Technologie- und Medienpartner ermöglicht.

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